Der Nachtwächter von Scheinfeld

 

NachtwächterDie Geschichte der Stadt wird lebendig an historischen Plätzen präsentiert von der Theatergruppe des Gymnasiums Scheinfeld in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Hans Meyer nach Dokumenten des Heimat- und Kulturvereins
Geschichte wird erlebbar in prägnante Szenen an den ursprünglichen Orten in der Stadt:

Geldspritze für die Nachtwächterrundgänge

Er ist schon eine Institution im Scheinfelder Kulturleben, der Nachtwächterrundgang der Theatergruppe des Gymnasiums Scheinfeld. Die Zusammenarbeit zwischen dem Autor verschiedener authentischer und fiktiver Szenen aus der Heimatgeschichte Hans Mayer und der Theatergruppe unter Leitung von OStRin Suzanne Nennmann begann 2015. Anlässlich des Stadtjubiläums kam es im Rahmen des großen Sommerfestes zur Prämiere, die ein überwältigender Erfolg war. Weit über 100 Zuschauer folgten jeweils der Trommel, die sie von einem Schauplatz zum anderen führte. Auf Bitten des Heimat- und Kulturvereins wurde das Angebot in den folgenden Jahren mit gleichbleibendem großen Erfolg wiederholt, wobei nicht nur der Wechsel der Schauspielerbesetzungen über die Jahre für immer neue Akzente sorgte, sondern auch die ein oder andere Szene umgeschrieben oder neu aufgenommen wurde.Nachtwächter

Herr Mayer, Frau Nennmann und Herr Schröttel


Mit diesem Projekt hatte sich die Theatergruppe um den Förderpreis der VR meine Bank „Wir suchen junge Bessermacher“ beworben. Zwar fehlten beim Onlinevoting Ende 2018 genau zwei Stimmen zum dritten Platz und damit den eigentlichen Förderpreisen, doch wurde den jungen Leuten nun von der Bank als „Trost“ ein Anerkennungspreis von 750 € zuerkannt. Damit ist die Finanzierung der nächsten Nachtwächterrundgänge, die für den 06./07. Juli angesetzt sind, bereits gesichert. Auf unserem Bild freuen sich (v.l.n.r.) der Autor Hans Mayer, die Leiterin der Theatergruppe Suzanne Nennmann und der Schulleiter des Gymnasiums Wolfram Schröttel über den Preis.

 

 

Die Nachtwächter-Rundgänge

Wir, Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums sowie Ehemalige, führen diese Szenen seit drei Jahren in wechselnder Besetzung an mehreren Wochenenden von Juli bis September auf.

NachtwächterDie Texte sind in der Mehrheit von Hans Meyer, einzelne auch von uns, und werden von Jahr zu Jahr ergänzt und so erweitert.

Für das kommende Jahr sind Szenen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts geplant, etwa über die Rückkehr eines jüdischen Bürgers nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.

Durch die szenische Aufführung an einzelnen Plätzen im Stadtkern wird sowohl Einheimischen wie Touristen die Gegenwart anhand der Einwirkung der Vergangenheit unmittelbar deutlich.
Dies führt besonders an der alten Synagoge, in den Szenen mit dem einbeinigen Bettler oder jenen zur Hexenverbrennung zu einem intensiven Erlebnis für die Betrachter.
Aber auch die Erinnerungen an die Pestzeit, die zwangsweise Konskription von Soldaten, Auseinandersetzungen mit französischen Söldnern, der Richtplatz oder die Heiratspolitik der Schwarzenberger wirken bei den Zuschauern nach, was man direkt durch die Kommentare der Mitgehenden wie in den sich anschließenden Gesprächen erkennen kann.

Durch die Verbindung der Szenen durch die Nachtwächterinnen bleibt ein roter Faden erhalten, der Schutz der Stadt durch die Bürger, an dem sich die Zuschauer orientieren können.
In diesem Jahr haben wir dies durch ein Programm mit den einzelnen Stationen ergänzt, so dass ältere Besucher oder Familien mit Kleinkindern beschwerliche Wegstrecken auslassen und uns an den gewünschten Stationen wieder erreichen können.
Wie sich aus den Kommentaren auf der Facebookseite der Stadt Scheinfeld wie den an uns gerichteten Bitten um eine Wiederaufnahme der Nachtwächtergänge erkennen lässt, ist das Projekt ein großer Erfolg, wohl weil die Menschen sich erinnern, ihre Stadt neu kennen lernen und sich auch ungezwungen amüsieren können.

Unser Vorgehen:

Nachtwächter

Wir treffen uns am oberen Torturm, der von uns mit LEDs illuminiert und durch Nebelschwaden als „gefährdet“ markiert wird; dort stellen sich die Nachtwächterinnen vor und beschreiben die Lebensverhältnisse von Knechten und Mägden im ausgehenden Mittelalter; es schließt sich dort eine weitere drastische, aber auch komische Szene zur Situation kinderreicher Mütter an.

Unsere Requisiten führen wir auf einem Leiterwagen mit uns, die weiteren 17 Szenen führen uns vom Stadtsee zur früheren Synagoge, wieder zur Hauptstraße, zurück in die Altstadt, zur katholischen Kirche , durch die Hauptstraße zum früheren Stadtgraben und schließlich wieder zurück zum Torturm. Einzelne Szenen werden dabei durch Beleuchtung, Fackeln und ein Feuerwerk optisch akzentuiert, ein gemeinsamer Umtrunk unterwegs lädt zu Gesprächen ein. Wichtig für uns sind dabei die Vermittlung der Inhalte, die Unterhaltung des Publikums, der Kontakt von Schule und Bevölkerung und natürlich auch die Freude am reibungslosen Ablauf unserer Inszenierung durch durchdachte Planung, gute Infrastruktur und gegenseitige Unterstützung, vor allem für die „Kleinen“, die so ihre Erfahrungen mit einem großen und wechselnden Publikum machen können.

Nachtwächter

Da wir wirklich nur den einen Leiterwagen haben, muss jeder Gang sorgfältig vorgeplant und der Wagen strategisch vorausschauend gepackt und gezogen werden. Gut zu überlegen ist auch für jede kurze Szene, welche Botschaft man durch die schauspielerische Gestaltung in den Mittelpunkt stellen will. Das sprechen wir immer wieder neu ab, auch weil wir jedes Jahr neue Szenen und neue Schauspieler integrieren müssen.

Für einzelne Dialoge haben wir deshalb auch Doppelbesetzungen, um unterschiedliche Interpretationsvarianten anzubieten, vor allem im Hinblick darauf, dass wir Besucher haben, die die Gänge öfter, sogar immer mitmachen. Als wirkungsvoll hat sich auch die Ausweitung auf den Septembertermin erwiesen, weil die früher einbrechende Dunkelheit die Schauplätze wirkungsvoller erscheinen lässt, vor allem auch dadurch, dass die Spaziergänger durch die Übernahme der Beleuchtung als Fackelträger besser in das Geschehen integriert werden können.

Vorhaben:

Die zeitliche Planung für 2019 mit Wochenenden im Juli und September steht bereits.

Inhaltlich ist geplant, die Kurzszenen mit Ausblicken ins 20. Jahrhundert zu erweitern, wobei aktuell Ergänzungen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung Scheinfelds wie der Nutzung historischer Gebäude in Arbeit sind.

Fotos: H.P. Bacherle

 

 

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