Europa-Vortrag von Professor Ménudier 

Prof MénudierAm 21. Juni 2017 besuchte Professor Dr. Henri Ménudier zum zweiten Mal das Gymnasium Scheinfeld, um mit den Schülerinnen und Schülern über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas und insbesondere der deutsch-französischen Beziehungen zu diskutieren.


Der seit 1988 an der Universität Paris III – Sorbonne Nouvelle lehrende Politologe gilt als ausgewiesener Kenner der politischen Entwicklung in Deutschland und Frankreich, der deutsch-französischen Beziehungen und der Europäischen Einigung. Er war und ist Berater und Gesprächspartner wichtiger Politiker, unter anderem Helmut Kohl, Franz Josef Strauß oder François Mitterand.

Seinen Vortrag begann er mit einem historischen Abriss: Drei Kriege haben Deutschland und Frankreich in der Zeit zwischen 1870 und 1945 geführt. Jede damalige Generation habe mindestens einen Krieg mitgemacht, was sich tief ins allgemeine Bewusstsein eingeprägt hat. Damals habe man das deutsch-französische Verhältnis als „Erbfeindschaft“ begriffen, was sich heute keiner so recht mehr vorstellen könne.
Wirklich gewandelt habe sich das Verhältnis erst nach dem Zweiten Weltkrieg: 1946 gab es bereits die ersten deutsch-französischen Jugendtreffen und bis heute seien Frankreich und Deutschland die Staaten, die dafür am meisten investieren. „1958 hatte sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich einigermaßen normalisiert“, so Professor Dr. Henri Ménudier. Zum Elysée-Vertrag kam es dann 1963: „Adenauer und De Gaulle wollten ihre Nachfolger langfristig an den Vertrag binden.“ Mit dem Vertrag wurde die Rivalität beendet und vier gemeinsame Ziele standen auf der Agenda: Versöhnung, Zusammenarbeit, Solidarität und Freundschaft.

Eine Dreiviertelstunde nahm sich Prof. Ménudier für die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler Zeit. Diese bezogen sich auf sein persönliches Engagement für die deutsch-französoischen Beziehungen, vor allem aber auf die aktuelle internationale Lage, geprägt durch die Flüchtlingskrise, die Differenzen mit der Türkei, Polen und Ungarn sowie die Neujustierung der US-Außenpolitik unter Donald Trump.

Er schloss mit einem Appell an die Schülerinnen und Schüler: Sie sollen sich nicht entmutigen lassen. „Reist, so viel ihr könnt! Nutzt die Möglichkeiten, die euch gegeben sind, denn es ist euer Europa!“

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