Vortrag zum 1. Weltkrieg:
Süß und ehrenvoll, für's Vaterland zu sterben?

 

Am 28. Juli 1914 begann der 1. Weltkrieg, in dessen Verlauf rund 17 Millionen Menschen starben. Zum 100-jährigen Gedenken an diese menschliche Katastrophe wollen auch die Schulen beitragen.

Vortrag HorazDer stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Scheinfeld, Wolfram Schröttel, hatte zu einem öffentlichen Vortrag Professor Dr. Stefan Freund von der Universität Wuppertal eingeladen, mit dem er 1989 in Schwabach das Abitur ablegte. Prof. Freund studierte katholische Theologie, sowie Latein und Griechisch. In seinem Vortrag ging er vor allem auf den römischen Dichter Horaz (65 - 8 v. Chr.), der nicht nur in den Schulen mit seinem Vers Dulce et decorum est pro patria mori (Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben) in der Zeit von 1890 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges immer wieder hervorgehoben wurde. Auch in vielen Todesanzeigen stand dieser Spruch, der als Verherrlichung des Soldatentodes angesehen wird.

Vor den 28 Anwesenden erklärte der Altphilologe Prof. Freund, dass dieser Satz an den höheren Schulen damals ganz bewußt eingesetzt wurde, um die potentiellen Offiziere, Deutschlands Elite, auf einen möglichen Krieg einzustimmen, sie dem Staat, dem Nationalismus, unterzuordnen. Die Jugend sollte zum Heldentum erzogen werden.

So stellte schon Preußenkönig Friedrich Wilhelm die patriotische und auch kriegerische Erziehung der Jugend mit den folgenden Worten heraus: „Wer solch Attacken geritten, für den gibt es nichts Schöneres.“ Der Kampf auf Leben und Tod wurde von ihm als erstrebenswerter Wert angesehen. „Alle, die rechte Soldaten sind, müssen fühlen, dass es süß und ehrenvoll ist, für das Vaterland zu sterben".

Die Politik versucht die Militarisierung aber nicht nur über die Schulen zu erreichen, sondern auch die Pfadfinder oder die „Wandervögel“ wurden nach den Ausführungen von Stefan Freund dazu herangezogen. Damit nicht genug, auch die Kirche bietet Rekrutenkurse mit Schießübungen an, berichtete der Theologe.

Prof. Freund stellte zu diesen Anmerkungen auch ein Lied aus dem Liederbuch „Zupfgeigenhansel“ des Jahres 1909 vor. In diesem hieß es unter anderem: „Kein schön´rer Tod ist in der Welt/ Als wer vorm Feind erschlagen“.

Erst im Laufe des 1. Weltkrieges stellten sich Schriftsteller gegen den schrecklichen Krieg, wie der britische Dichter und Soldat Wilfred Owen (1893- 1918 in Frankreich gefallen). Mit seiner schonungslosen-realistischen Darstellung des Schreckens von Graben- und Gaskrieg stand er im Widerspruch zur öffentlichen Wahrnehmung des Weltkrieges. Er wandte sich speziell gegen den Horazschen Vers.

Berthold Brecht verfasste 1914 noch patriotische Berichte von der Heimatfront, wandte sich aber dann gegen den Krieg. Als siebzehnjähriger Unterprimaner (heute 12. Klasse) am Augsburger Realgymnasium schrieb Brecht 1916 in einem Aufsatz über Horaz:

„Der Ausspruch, dass es süß und ehrenvoll sei, fürs Vaterland zu sterben, kann nur als Zweckpropaganda gewertet werden. Der Abschied vom Leben fällt immer schwer, im Bette wie im Schlachtfeld, am meisten gewiss jungen Menschen in der Blüte ihrer Jahre. Nur Hohlköpfe können die Eitelkeit so weit treiben, von einem leichten Sprung durch das dunkle Tor zu reden, und auch dies nur, solange sie sich weitab von der letzten Stunde glauben. Tritt der Knochenmann aber an sie selbst heran, dann nehmen sie den Schild auf den Rücken und entwetzen, wie des Imperators feister Hofnarr bei Philippi, der diesen Spruch ersann.“

Für diesen Aufsatz wurde Brecht fast der Schule verwiesen.

In der dem Vortrag folgenden Diskussion wurde angemerkt, dass die Menschen heute nicht mehr so bestrebt sind, für das Vaterland zu sterben. Doch habe Bundespräsident Joachim Gauck bei der 50. Sicherheitskonferenz festgestellt, dass man für die Sicherung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte auch bereit sein müsse, mehr zu tun. Manchmal könne, so der Bundespräsident, auch der Einsatz von Soldaten erforderlich sein.

Stefan Freund stellte noch fest, dass die Horazschen Verse heute im Unterricht sicher tiefer analysiert würden, und damit eine Beeinflußung nicht mehr vorhanden wäre.

Rainer Fritsch, OStR; Mitarbeit: Ralf Arndt, OStR

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