27. Internationaler Schüleraustausch Trbovlje – Scheinfeld

vom 01.–07.03.2020 oder: 14 Jahre später…


Zugegebenermaßen sind die Erinnerungen an meinen Schüleraustausch im Jahr 2006 als Schüler der damaligen 10b des Gymnasiums Scheinfeld recht verschwommen. Liegen doch vergleichsweise relevante Ereignisse wie ein Abitur, ein Studium und ein Referendariat dazwischen – um mal lediglich „berufliche“ Momente zu nennen. Der Kontakt zum damaligen Austauschpartner ist im Laufe der Zeit doch abgerissen. Die slowenische Cheforganisatorin, Betreuerin und Mutter des Austausches, Marjetka Kafel, blieb jedoch bis heute im Dienst. Diese Tatsache machte es für mich umso erfreulicher und leichter, diesen Schüleraustausch nun auch aus der Perspektive der Lehrkraft erleben zu dürfen. Gleichwohl war eine gewisse Grundnervosität nicht zu leugnen, als ich mit meiner agilen und charmanten Kollegin Frau Kazmac am Sonntagmorgen des 1.3.2020 den Bahnhof Markt Bibart betrat.
Ohne Komplikationen und Verspätung erreichte die Scheinfelder Reisegruppe am Abend des 1. März den Bahnhof von Trbovlje und wurde von den wartenden Schülern/innen, Gasteltern und Lehrerinnen herzlich empfangen.
Der erste Tag des Austausches stand im Zeichen des Kennenlernens: Unterrichtsbeginn bereits um 7:40 Uhr, Hauschuhe im Schulgebäude (natürlich stylisch on fleak – meistens), slowenisches Schulsystem und die Geografie Sloweniens standen im Vormittagsunterricht im Mittelpunkt. Im Rahmen dessen wurden wir von der zweiten Bürgermeisterin der Stadt Trbovlje empfangen.
Die Schüler/innen erfuhren einiges über die wirtschaftliche Vergangenheit dieser ehemals bedeutenden Bergbauregion. Gleichermaßen referierte die Bürgermeisterin auch über die Neustrukturierung der Stadt in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht: Das Ziel sei, sich für junge Unternehmen (Startups) zu öffnen, um der Region neue Impulse zu verleihen.
Der Nachmittag wurde einerseits genutzt, um sich von den slowenischen Mitschülern/innen eine Lektion im BasketballSpiel erteilen zu lassen, und andererseits, um ein slowenisches Lied für den Abschlussabend einzustudieren.
 
Nach einer Doppelstunde Chemie am Dienstagmorgen ging es begleitet von der slowenischen Geografie-Lehrerin zunächst in die berühmte Höhle von Postojna.
Wir erhielten dort eine interessante und amüsante Führung durch die Tropfsteinhöhle, die durch ihre Schönheit verbunden mit den Anekdoten unseres Guides großen Eindruck hinterließ. Der Bus brachte uns weiter in die älteste Stadt Sloweniens, Ptuj, wo wir zunächst auf der Burg einiges über deren lange Vergangenheit erfuhren und zusätzlich ein Potpourri an völlig ironiefreien Fotos schießen konnten. Die Altstadt wurde auf eigene Faust erkundet und natürlich entschied sich ein Teil der Gruppe dazu, die deutsche Currywurst in ihrer slowenischen Interpretation zu testen. Der typisch deutsche Tourist musste eben auch auf seine Kosten kommen.
Der Mittwochmorgen stand wiederum im Zeichen des slowenischen Schulunterrichts. Hervorstechend hierbei: die ersten Stunden in Slowenisch! Es ging als Erstes darum, ein Gefühl für die Phonetik dieser Sprache zu entwickeln, bevor erste Wörter und Phrasen entdeckt werden konnten. Zudem erhielten die Schüler/innen eine Stunde Physik und Englisch.
Doch auch außerhalb der Schule sollten sie Neues lernen. Frau Kafel organisierte einen Rundgang mit integriertem Quiz durch die Stadt Trbovlje. Dieser endete in einem neugebauten, multimedialen Museum. Der Kohlebergbau ist zentraler Bestandteil dieses Konzepts. So wurde etwa ein Stollen originalgetreu nachgebaut, um den Besuchern das einstmalige Gefühl und die Atmosphäre der Kumpel zu vermitteln. Unterstützt wird dies mit technischen Mitteln, wie beispielsweise einem Simulator, der die Schüler durch das ehemalige Bergwerk führte.
Am Donnerstag war der langersehnte Trip in die slowenische Hauptstadt Ljubljana vorgesehen. Der slowenische Historikerkollege nahm die Schüler mit auf eine Reise, die in der Römerzeit begann und im Zusammenbruch Jugoslawiens endete. Man findet in Ljubljana Elemente diverser Epochen und der Kollege wusste zu jeder auf ansehnliche und gut nachvollziehbare Weise zu berichten. Selbstverständlich konnten die Schüler/innen auch ihre eigenen Kreise ziehen, bevor die Rückreise mit dem Zug angetreten wurde.
Der finale Tag des Besuches wurde dazu genutzt, um den Abschlussabend vorzubereiten. Die Scheinfelder Schüler/innen erstellten aus den vielen Fotos der Woche eine Präsentation und unterlegten diese mit ihren ganz persönlichen Eindrücken und Erlebnissen, so dass sich das Gesamtprojekt durch eine gewisse Multiperspektivität auszeichnen konnte.
 
Vor dem Abschlussabend wurden die deutschen Schüler/innen zunächst noch in ein interdisziplinäres Projekt der slowenischen Oberstufe eingeladen. Die Makrothematik dieses Projekts ist die „Zukunft der europäischen Union“. Aufgeteilt in diverse Gruppen beleuchten die Schüler/innen unterschiedliche Aspekte dieser Thematik.
Diese reichen von Bildungspolitik über Fremdenfeindlichkeit bis hin zur gemeinsamen Kulturpolitik. Für die Slowenen war es sehr interessant, die Perspektive und Meinung anderer junger EU-Bürger kennenzulernen, bevor das Finale des Austausches anstand.
Der Abschlussabend wurde sehr charmant von zwei slowenischen Schülerinnen bilingual moderiert. Alle Beteiligten lieferten den anwesenden Eltern und Kollegen ein abwechslungsreiches Programm. So trugen etwa deutsche Schüler/innen ein slowenisches und slowenische Schüler ein deutsches Gedicht vor, um nur einen von vielen Höhepunkten zu nennen. Selbstverständlich gaben auch die deutschen Schüler/innen ihre neuerworbenen Slowenischkenntnisse zum Besten. Hierbei blitzten ungeahnte Sprachtalente auf, die weder Fr. Kazmac noch meine Wenigkeit bis dato erahnen konnten. Abgerundet wurde der Abend vom gemeinsam einstudierten Lied, bevor es schweren Herzens an der Zeit war, „nasvidenje“ zu sagen. Die Tränen des Abschieds trockneten auf der nächtlichen Zugfahrt jedoch schnell und wir konnten in heiterer Runde die Woche Revue passieren lassen.
Was bleibt, ist also die Erkenntnis, dass dieser Schüleraustausch auch aus der Perspektive der Lehrkraft nicht minder schöne Momente beschert – möglicherweise sogar mehr. Dies war jedoch auch dem vorbildlichen Verhalten der Scheinfelder Schüler/innen geschuldet. Meinen ehemaligen Austauschpartner konnte ich wiedertreffen und darüber hinaus den besonderen Wert dieses Austausches hautnah (wieder)entdecken. Danke also, 10b, „Hvala“ für die perfekte Organisation und große Herzlichkeit der slowenischen Kollegen/innen, Eltern und Schüler/innen, die diese Woche zu einem wunderbaren Erlebnis machten.
Mario Hess, LAss

Lehrer des Gymnasiums Scheinfeld besuchen Partnerschule in Trbovlje im Oktober 2014

Etwas Besonderes ist die Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium Scheinfeld und dem Gimnazija Trbovlje in Slowenien. Seit über 20 Jahren, so lange wie keine andere bayerische Schule, pflegt das hiesige Gymnasium einen intensiven Schüleraustausch mit Trbovlje. Darüber hinaus sind aber auch die Kollegien im Austausch: Am verlängerten Wochenende über den Tag der Deutschen Einheit fuhr bereits zum dritten Mal eine Lehrerdelegation (mit Anhang) nach Slowenien, ein Gegenbesuch (ebenfalls der dritte) ist für das kommende Jahr geplant.

 

Die fränkischen Besucher wurden mit der bekannten slowenischen Gastfreundschaft nicht nur kulinarisch, sondern auch kulturell verwöhnt. Auf dem Programm standen neben einer Besichtigung der Partnerschule eine Ausstellung im Stadtmuseum über die Schulgeschichte der Region sowie ein Tagesausflug nach Prekmurje, den nordöstlichsten Landesteil Sloweniens, in dem ein Töpferdorf, eine berühmte Wallfahrtskirche und ein Orchideengarten mit tropischem Park besucht wurden. Ein weiterer Höhepunkt der Reise war ein Mittagessen auf Einladung des scheidenden Bürgermeisters von Trbovlje, bei dem Scheinfelds Bürgermeister Claus Seifert, der als „Anhang“ seine Ehefrau Birgit, Lehrerin am Gymnasium, begleitete, mit seinem Kollegen auf Französisch lokalpolitische Problemfelder besprechen konnte. Beide Schulen freuen sich darüber, dass sich die Kommunen seit vielen Jahren auch ohne offizielle Zuständigkeit für die Partnerschaft engagieren.

 

 

 

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