Rede des Schulleiters OStD Wolfram Schröttel zur Abiturverabschiedung 2019

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Gäste, liebe Abiturienten!

Was auch immer du tust, tue es mit Bedacht und bedenke das Ende! Diese auf Äsop zurückgehende Sentenz beschreibt treffend die Handlungsmaxime einer gymnasialen Schulgemeinschaft, so dass ich sie heute zum Leitmotiv meiner Ansprache machen möchte. Die Ermahnung, bei allem Handeln klug die langfristigen Folgen zu bedenken, bewahrt nicht nur davor, Opfer kurzfristiger Modethemen zu werden, sondern ist auch der Garant für das erfolgreiche Erreichen großer, wertvoller Ziele, wie wir es heute sehen und feiern können.


Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Ein guter Ratschlag sicher für Sie, unsere lieben Gäste aus der lokalen und regionalen Öffentlichkeit, die sie uns heute die Ehre geben. Beispielhaftes kluges, langfristig orientiertes Handeln sind die Investitionen des Landkreises in den gymnasialen Standort Scheinfeld durch den schrittweisen Neubau unserer Schule. Investitionen in Bildung sind schon deshalb mutig, weil man ihre Rendite nicht in Euro und Cent messen kann – und übrigens auch nicht mit PISA-Tests. Die Rendite solcher Investitionen ist schlicht Bildung – ein unermesslicher Schatz für den einzelnen Menschen, dessen Selbstentfaltung ihr eigentliches Ziel – finis – ist, und damit für die Menschheit. Sehr geehrte Frau Keller und sehr geehrte Mitglieder des Kreistages, wir danken Ihnen sehr für Ihr Engagement und freuen uns schon darauf, mit Ihnen zusammen Anfang nächsten Jahres den Bezug unseres ersten Neubaus feiern zu können. Schon jetzt darf ich auch Sie, unsere geschätzten Gäste der benachbarten Schulen, der Kirchen, der Lokalpolitik, aus Wirtschaft und Banken, auf deren vertrauensvolle Zusammenarbeit und hilfreiche Unterstützung wir stets setzen können, sowie alle Anwesenden herzlich dazu einladen. Bleibt uns allen nur eine gemeinsame Aufgabe: Der Bildungsmüdigkeit in Teilen unserer Bevölkerung energisch entgegenzutreten, damit der ländliche Raum sich nicht selbst von der gesellschaftlichen Entwicklung abkoppelt.


Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Eine gute Richtschnur auch für Sie, liebe Eltern und Angehörigen unserer Abiturienten, die Sie vor acht (oder auch mehr Jahren) die Entscheidung fällen mussten, ihre Kinder – und damals waren es ja wirklich noch kleine Kinder – und deren Bildungsgang unserem Gymnasium anzuvertrauen, wohl wissend, dass hier das Ziel in weiter Ferne liegt, aber eben auch darauf vertrauend, dass Weg und Ergebnis das Beste sind, was Sie ihrem Nachwuchs angedeihen lassen können. Manche von Ihnen haben sicher zwischenzeitlich gezweifelt, Sie haben mitgebangt und mitgehofft, Sie haben getröstet und mussten vielleicht auch einmal getröstet werden, Sie haben nach Kräften unterstützt und mussten wohl auch verkraften, dass angebotene Hilfe zurückgewiesen wurde: Heute dürfen Sie ernten, heute sehen Sie Ihr Vertrauen belohnt, heute können Sie befreit mitfeiern und Sorgen einmal Sorgen sein lassen: Aus Kindern sind fast nebenbei und hinter unserem Rücken Erwachsene geworden, und wenn bei manchem oder mancher das Geburtsdatum oder gewisse Verhaltensweisen einen Zweifel daran aufkommen lassen, ein untrügliches Zeichen für das Erwachsenwerdens auch der größten Kinder unter den Absolventen gibt es: Die lautstarke Klage über das unmögliche Verhalten der völlig unerzogenen Fünftklässler – das sich, ganz unter uns, kaum von dem der Abiturjahrgänge 2011 unterscheidet. Ach ja – und nach dem Feiern dürfen Sie auch gerne weitersagen, dass sich die Entscheidung fürs Gymnasium gelohnt hat.


Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Eine gute Leitlinie, die das Handeln aller Mitarbeiter an unserem Gymnasium bestimmt. Lehrkräfte, Verwaltungsangestellte, Hausmeister und Reinigungspersonal sind ja nicht nur oft solange hier tätig, dass sie sich eben auch an das Verhalten der Fünftklässler zu Anfang des Jahrzehnts erinnern können, sie sind auch diejenige, die das Ziel, zu dem sie die jungen Leute führen oder besser, das sie zusammen mit ihnen erreichen wollen, wohl am besten im Auge haben. Wer es kurz hintereinander mit Zehn- und Zwanzigjährigen zu tun hat und sich auf deren jeweiligen intellektuellen und v.a. auch menschlichen Anliegen einzustellen vermag, wer mit gleichem Ernst kleine Abfragen für die Unterstufe vorbereitet und im Auftrag des Staatsministeriums Abituraufgaben entwirft, wer bei den ersten Lernschritten eines Faches bereits die Kompetenzen im Blick hat, die ein Abiturient für das Studium braucht, kurz, wer Gymnasiallehrer oder –lehrerin nicht nur von Beruf, sondern von Berufung ist, der gestaltet ein günstiges Umfeld, in dem junge Menschen sich entwickeln und entfalten und mit einer umfassenden Allgemeinbildung die Grundlage für ein erfülltes und erfolgreiches Leben legen können. Ich bin überzeugt, dass das Gymnasium Scheinfeld für die überwältigende Mehrheit seiner Schüler ein solches Umfeld bietet, und möchte die Gelegenheit nutzen, allen Mitarbeitern unserer Schule hierfür öffentlich meinen herzlichsten Dank und meine höchste Anerkennung aussprechen.

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Sicher auch eine gute Lebensregel für Euch, um mich endlich den Hauptpersonen des Tages zuzuwenden. So manche hat schon in der vierten Klasse den Gang aufs Gymnasium zuhause durchkämpfen müssen, wie ich gehört habe, mancher musste unterwegs dafür kämpfen, auf dem Weg bleiben zu dürfen, aber das Ziel – finis – habt ihr nicht aus den Augen gelassen, und nun ist es erreicht und ihr sollt es zunächst einmal so richtig hören: Meine Damen und Herren, einen donnernden Applaus der Abituria 2019 des Gymnasiums Scheinfeld!

Rein äußerlich ist das Ziel ja etwas ganz Unauffälliges, nicht mehr als ein Bogen Papier, auch wenn es bei uns – anders als an anderen Schulen – immerhin nicht nur eine handschriftliche Unterschrift sondern auch noch ein echtes, von Frau May mit geübter Hand gestempeltes Siegel ziert. Aber es ist der höchste und wertvollste Bildungsabschluss, den das deutsche Schulsystem kennt, das Bayerische Abitur. Nicht irgendeine Hochschulzugangsberechtigung, sondern die – und das will ich jetzt von Euch hören – die allgemeine, allgemeine …

Meine Damen und Herren, sie hören und spüren sicher, dass ich wirklich stolz bin auf unseren Abiturjahrgang, und das liegt nicht nur an der engen Verbundenheit mit vielen Schüler/innen, die ich fast ihr ganzes Schulleben lang selbst unterrichten und bis in die Abiturprüfungen begleiten durfte. Nein, es gibt gute weitere Gründe, dass ich, dass wir alle auf diesen Jahrgang stolz sein dürfen, und dass die jungen Leute auf sich selbst stolz sein dürfen. Ich nenne nur Weniges:

  •   Alle 60 Kandidaten haben auf Anhieb die Abiturprüfung bestanden, waren nicht auf gnädige Nachprüfungen angewiesen. Auch für das Gymnasium Scheinfeld, an dem zum Glück sehr oft niemand durchs Abitur fällt, eine absolute Ausnahme.
  • Mit dem Gesamtdurchschnitt von 2,24 liegt der Jahrgang wieder einmal recht genau im Landesschnitt, und das ohne „Streichergebnisse“ von Durchgefallenen, die nämlich aus der Statistik genommen werden.
  • Der Jahrgang hat eine breite Spitze mit insgesamt acht Schulbesten. Sie werden es nachher bei den besonderen Ehrungen sehen können, wie viele verschiedene Personen sich in einzelnen Fächern hervorgetan haben.
  • Die Abiturienten haben auch die diversen Zusatzaufgaben, die die eigentlichen Prüfungen gelegentlich fast in den Schatten stellten, wie Erstellung der Abiturzeitung, Vorbereitung und Durchführung von Scherzen und Feiern und natürlich des heute folgenden Abiballs erfolgreich gemeistert und dabei auch zumindest weitgehen die Nahtstelle zwischen a- und b-Klasse überbrückt. Auch das eine reife Leistung!
  • Und zuletzt und zuerst: Keiner hat sich über ein angeblich zu schweres Matheabitur beschwert. Vielmehr durfte ich mich belehren lassen: „Das ist uns doch viel zu blöd, war doch alles normal.“ und „Ja mei, mal is es halt a bisserl schwerer, mal a bisserl leichter.“ bis hin zu „Es ist ja immerhin auch ein Abitur“. Ein echtes Zeichen von Reife, wie ich meine.

Ja, ihr dürft stolz sein auf das, was ihr erreicht habt, und auch darauf, wie ihr es erreicht habt. Dass aus berechtigtem Stolz kein falscher Hochmut wird, dazu soll Euch auch die Mahnung zum klugen Bedenken beim Handeln anleiten und befähigen.

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Dieser Kompass kann euch wahrlich auch durch die Herausforderungen des Lebens, das immer mehr selbst bestimmt und damit auch selbst zu verantworten ist, leiten. Bewahrt Euch die Erinnerung daran, dass es der lange Atem ist, der zum guten Ziel führt, dass Gemeinschaft wichtiger sein kann als das Einzelkämpfertum, dass Anstrengung und Entspannung im rechten Verhältnis stehen müssen, dass langfristige Zufriedenheit wertvoller ist als kurzfristiger Erfolg, kurz: Seid, bleibt und werdet Mensch, bewahrt im Zeitalter sog. künstlicher Intelligenz natürliche Vernunft.

Geht die Probleme, die sich euch stellen werden, auch dann, wenn ihr sie nicht verschuldet habt, mutig an, nicht leichtfertig. Lasst Euch nicht einreden, dass man die Welt in einem YouTube–Filmchen erklären könnte, mag es nun 57 Sekunden oder 57 Minuten dauern. Nehmt von hier die Erkenntnis mit, dass es auf komplexe Fragen keine simplen Antworten gibt, und dass man sich davon nicht entmutigen lassen darf, sondern gerade umgekehrt anspornen lassen sollte, die komplexen Antworten zu finden. Erobert euch die Welt und bleibt eurer Herkunft verbunden, euren Familien, unserer fränkischen Heimat und gerne auch eurem Gymnasium Scheinfeld.

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!

Zu guter Letzt will ich mir dieses Motto auch selbst zu Herzen nehmen. Ein wenig wehmütig wird mir schon, wenn ich den Jahrgang ziehen lassen muss, mit dem ich so viel Unterrichtszeit verbracht habe und so viel Erlebnisse verbinde wie mit keinem vorher und wohl auch keinem folgenden mehr. Aber für persönliche Befindlichkeiten, private Melancholie ist an einem solchen Tag kein Platz, und so kann das kluge Handeln jetzt nicht eine noch längere Zielbetrachtung sein sondern nur noch, der Rede ein Ende – finis – zu setzen. In diesem Sinne wünsche ich Euch alles erdenklich Gute für die Zukunft und Gott befohlen!

Vielen Dank!

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